Edvard_Munch_Albertina22

ALBERTINA

Edvard Munch Im Dialog

Edvard Munch
Selbstporträt (mit Knochenarm), 1895
Lithographie mit Lithokreide, -tusche und Nadel in Schwarz ALBERTINA, Wien © ALBERTINA, Wien

Virtuellen Eröffnung: Donnerstag, 17. Februar 2022 | 18:30 Uhr

KuratorInnen: Dieter Buchhart & Antonia Hoerschelmann

Ausstellung: Exhibition: 18. Februar – 19. Juni 2022

Täglich | 10 – 18 Uhr

Mittwoch & Freitag | 10 – 21 Uhr

Albertinapl. 1, 1010 Wien

https://www.albertina.at/ausstellungen/edvard-munch/

Edvard Munch Der Kuss, 1921
Öl auf Leinwand
© Sarah Campbell Blaffer Foundation, Houston

Die ALBERTINA widmet Edvard Munch (1863–1944) ihre großeFrühjahrsausstellung 2022. Die umfassende Schau ist in mehrerer Hinsicht einzigartig: Über 60 Werke des norwegischen Künstlers zeigen das beeindruckende Œuvre, als eines, dasfür die moderne und zeitgenössische Kunst wegweisend ist. Neben ikonischen Fassungen der Madonna, des kranken Kindes oder der Pubertät, ist es nicht zuletzt das von Unheimlichkeit, Bedrohung und Entfremdung zeugende Naturbild Edvard Munchs, das durch eine Reihe an Landschaftsgemälden dieses Hauptthemasdes Symbolismus und Expressionismus in einen Dialog mit Werkgruppen bedeutender KünstlerInnen unserer Zeit tritt.

Neben dem weltanschaulichen Pessimismus und dem wachsenden Thema des Allein-seins in der Welt, ist es die Experimentierfreudigkeit Munchs, die Maler wie Peter Doig an dem Werk des Norwegers interessiert. Umgekehrt entdeckt Jasper Johns in einem Spätwerk Munchs –Selbstporträt. Zwischen Uhr und Bett –ein abstraktes Muster, das der Amerikaner isoliert und als All-over Struktur über das ganze Bild legt.

Andy Warhol The Scream (After Munch), 1984
Siebdruck auf Lenox Museum Board
Mikkel Dobloug, Kjell S. Stenmarch, Grev Wedels Plass Auksjoner © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Licensed by Bildrecht, Wien 2022

Die Rezeption Munchs in der zeitgenössischen Kunst beweisen sieben bedeutende KünstlerInnen der Gegenwart –allesamt Größen des 20. Jahrhunderts –die mit Munch in Dialog treten: Andy Warhol, Jasper Johns, Georg Baselitz, Miriam Cahn, Peter Doig, Marlene Dumas und Tracy Emin.

Die ausgewählten Werkgruppen illustrieren eindrucksvoll den Einfluss, den Edvard Munchs Kunst bis heute auf nachfolgende Generationen ausübt

The Sick Child Edvard Munch
Das kranke Kind, 1907
Öl auf Leinwand
Tate: Tate: Presented by Thomas Olsen 1939 © Tate

Edvard Munchs zutiefst pessimistische, melancholische Weltanschauung, nach der der Mensch letztendlich völlig allein ist, hat die Rezeption seiner Arbeit bis heute definiert. Ebenso einflussreich sind seine Experimente und seine materielle Ästhetik. Edvard Munch. Im Dialogkonzentriert sich in erster Linie auf Munchs spätere Werke und deren Relevanz für die Kunst der Gegenwart. Neben direkten Variationen von Munchs ikonischen Bildern wie Andy Warhols After Munch-Reihe werden Werke von Künstlern in den Fokus der Ausstellung gerückt, die an Munchs experimentelle und modernistische Erweiterung des Malereibegriffs anknüpfen oder die thematische Dimension seiner Motive in ihrer Arbeit subtil transformieren. Dazu gehören zum Beispiel Georg Baselitz‘ Waldlandschaften und seine zum Teil auch indirekten Porträts des norwegischen Malers.

6 – KEdvard Munch Madonna, 1895/1902
Farblithographie mit Lithokreide, -tusche und Nadel in Schwarz, Oliv, Blau und Rot / Japanpapier
ALBERTINA, Wien © ALBERTINA, Wienlebeband

Marlene Dumas beschäftigt sich intensiv mit grundlegenden Fragen menschlicher Erfahrungen, rückt Themen wie Liebe, Identität, Tod oder Trauer ins Zentrum ihrer Arbeit und schließt so unmittelbar an die inhaltlichen Schwerpunkte Munchs an.

Auch bei Miriam Cahn steht menschliche Emotion von ohnmächtiger Verzweiflung und Angst bis hin zu zügelloser Aggression im Mittelpunkt. Was bei Edvard Munch Ausdruck des epochentypischen Geschlechterkampfes ist, wird bei Miriam Cahn zum Ausweis der Unterdrückung der Frau, wobei die unheimliche Stimmung ihrer Werke von Munchs unheimlicher Naturerfahrung abgeleitet erscheint. Hat Edvard Munch die Bedrohung des Mannes durch die Frau, der femme fatale, zu einem Hauptthema seines Zyklus „Der Lebensfries“ gemacht, so deutet Marlene Dumas dieseIkonografie in Bilder kolonial-rassistischer Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung Afrikas um.

Peter Doig Echo Lake, 1998
Öl auf Leinwand
Tate: Presented by the Trustees in honour of Sir Dennis and Lady Stevenson (later Lord and Lady Stevenson of Coddenham), to mark his period as Chairman 1989-98, 1998 © Tate Lake

Zugleich fasziniert sie so sehr wie Peter Doig die koloristische Experimentierfreudigkeit des Norwegers.

Für Peter Doig ist die Materialität in Munchs Gemälden wie auch die Ikonologie der Entfremdung der Menschheit von sich selbst ein wesentlicher Bezugspunkt in den Werken des Norwegers.

Tracey Emin You Kept It Coming, 2019
Acryl auf Leinwand
Private Collection © Tracey Emin. All rights reserved, DACS/Artimage 2022 © Tracey Emin. All Rights Reserved / Bildrecht, Wien 2022

Tracey Emins Gemälde und multimediale Arbeiten sind von traumatischen persönlichen Erfahrungen geprägt und knüpfen an den autobiographischen Charakter in Munchs Schaffen an.

Die Schau schließt an die Rekordausstellungen der ALBERTINA zu Munch 2003 und 2015 an und wird vom Munchmuseet in Oslo sowie zahlreichen weiteren internationalen Institutionen und Privatsammlungen unterstützt

https://www.albertina.at/ausstellungen/edvard-munch/

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