kolonialen_Kontexten

Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport

Büro der Staatssekretärin für Kunst und Kultur

Österreichische Bundesmuseen im kolonialen Kontext: Staatssekretärin Mayer
richtet internationales Fachgremium ein

Hochkarätig besetztes Expertinnen- und Expertengremium soll Handreichung für den
konsequenten Umgang mit Objekten aus kolonialen Kontexten bzw. Rückgabeforderungen
entwickeln.

Rund 90.000 afrikanische Kulturgüter werden in französischen Museen aufbewahrt. [EPA-EFE/CHRISTOPHE PETIT TESSON]

Um einen allgemeinen Umgang mit aus potenziell kolonialen Erwerbskontexten

stammenden Objekten in den österreichischen Bundesmuseen zu ermöglichen, setzt Kunst-
und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer nun ein mit international anerkannten Expertinnen

und Experten besetztes Gremium ein.

Unter dem Vorsitz des wissenschaftlichen Direktors des Weltmuseums Wien, Dr. Jonathan
Fine, der auch in der Benin Dialogue Group für das Weltmuseum Wien vertreten ist, soll
dieses interdisziplinäre Gremium Empfehlungen für den Umgang mit Kulturgütern aus
kolonialen Erwerbskontexten in den Sammlungsbeständen bzw. mit etwaigen
Rückgabeforderungen formulieren. Daraus könnte sich in weiterer Folge die Notwendigkeit
legistischer Vorkehrungen ergeben. In die Arbeit des Gremiums sollen zudem Verteter:innen
naher Bereiche wie Museumsfachleute, Jurist:innen und zivilgesellschaftliche Initiativen
einbezogen werden.

„Das koloniale Erbe in den österreichischen Bundesmuseen wird wissenschaftlich und
konzentriert aufgearbeitet. Es geht dabei nicht allein um den Umgang mit kolonialen
Museumsbeständen, sondern in weiterer Folge auch um Fragen nach einer postkolonialen
Museologie und Erinnerungskultur. Dass wir in die Tiefe, aber auch in die Breite gehen, ist
mir bei diesem Thema wichtig“, erklärt Staatssekretärin Andrea Mayer. „Insbesondere die
angestrebte Einbeziehung verschiedener Stakeholder in die Arbeit des Gremiums wird die
Ergebnisse auf eine breite Basis stellen und damit die Weiterentwicklung eines zeitgemäßen
und sensiblen Umgangs mit dem in österreichischen Bundesmuseen verwahrten Kulturerbe
ermöglichen. Ich danke den beteiligten Expertinnen und Experten für ihre Bereitschaft, sich
diesem transkontinental bedeutenden Thema zu widmen.“

„Die Einberufung des Gremiums ist ein wichtiger Schritt zur österreichischen Beteiligung an
einer globalen Debatte, die in einer offenen Diskussion unter Einbeziehung unterschiedlicher
Gruppen, Ansichten und Disziplinen zu gerechten Lösungen führen kann, die sowohl
relativistische als auch vereinfachende Ansätze vermeiden“, so der Vorsitzende des neu
eingesetzten Gremiums, Jonathan Fine.

Das Gremium wird im Laufe des Jahres 2022 zu mehreren Sitzungen zusammentreten, wobei
die Arbeit in drei Phasen erfolgt. In der ersten Phase geht es vor allem um die
Kontextualisierung; in der zweiten Phase um die breite Sammlung von zivilgesellschaftlichen,
juristischen sowie international vergleichenden Inputs und Know-how. Die dritte Phase ist
der Präzisierung und Ausformulierung der schriftlichen Empfehlungen, wie mit
Rückgabeforderungen hinsichtlich einschlägiger Kulturgüter umgegangen werden könnte,
gewidmet. Die Veröffentlichung der Ergebnisse wird für das Frühjahr 2023 erwartet.

Die Mitglieder:

Dr. Jonathan Fine, Wissenschaftlicher Direktor, Weltmuseum Wien (Vorsitz)

Golda Ha-Eiros, MA, leitende Kuratorin der Anthropologischen Sammlung, National
Museum of Namibia, Windhoek, Namibia

Dr. Emmanuel Kasarhérou, Präsident, Musée du Quai-Branly, Paris, Frankreich

Dr.in Henrietta Lidchi, Chefkuratorin, Nationaal Museum van Wereldculturen,
Rotterdam, Niederlande

Prof.in Dr.in Barbara Plankensteiner, Direktorin Museum am Rothenbaum – Kulturen
und Künste der Welt (MARKK), Hamburg, Deutschland

Univ.-Prof. Dr. Walter Sauer, Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Universität
Wien

Dr.in Anna Schmid, Direktorin Museum der Kulturen, Basel, Schweiz

Dr.in Katrin Vohland, Generaldirektorin und wissenschaftliche Geschäftsführerin
Naturhistorisches Museum Wien

Univ.-Prof. Dr. iur. Miloš Vec, Institut für Rechts- und Verfassungsgeschichte,
Universität Wien

Postkoloniale Provenienzforschung in Österreich


Ethnographische, naturkundliche, technische und Kunst-Museen sehen sich derzeit mit
intensiven Debatten darüber konfrontiert, wie mit Sammlungsobjekten aus kolonialen
Erwerbskontexten umzugehen ist. Die österreichische Bundesregierung hat in ihrem
Regierungsprogramm „postkoloniale Provenienzforschung und den Umgang mit Human
Remains“ als wichtiges Arbeitsfeld definiert und damit ihr Commitment zum Ausbau der
Provenienzforschung verstärkt.

Bisher fokussierten die österreichischen Anstrengungen in der Provenienzforschung vor
allem auf Kunst- und Kulturgüter, die im Nationalsozialismus verfolgungsbedingt entzogen
wurden. Mit dem weltweit einzigartigen Kunstrückgabegesetz aus dem Jahr 1998 verfügt
Österreich über reiche Erfahrungen in einem nicht gleichzusetzenden, aber vergleichbaren
Bereich. Wenn auch die spezifische Verantwortung der Republik Österreich für die nationalsozialistischen Verbrechen in der nunmehrigen Debatte stets gegenwärtig bleiben
muss, kann dieser Erfahrungsschatz auch bei der Beforschung und beim Umgang mit
Erwerbungen aus kolonialen Kontexten verwertet werden.

Den Auftakt der verstärkten österreichischen Anstrengungen in der postkolonialen
Provenienzforschung bildete die viel beachtete Veranstaltungsreihe „Das Museum im
kolonialen Kontext“ (in Kooperation mit ICOM Österreich) im Jahr 2019, aus der auch ein
umfassender Sammelband („Das Museum im kolonialen Kontext“) mit Beiträgen zum
aktuellen Forschungsstand hervorging. 2020 starteten vom österreichischen Kunst- und
Kulturministerium lancierte und geförderte Forschungsprojekte an vier betroffenen
Bundesmuseen (Museum für angewandte Kunst Wien, Naturhistorisches Museum Wien,
Technisches Museum Wien, Weltmuseum Wien). Die Ergebnisse sollen 2022 veröffentlicht
werden, Folgeprojekte sind bereits in Planung.

Zudem ist bisher einzelnen Repatriierungsanträgen hinsichtlich Human Remains, zuletzt
2020 von Neuseeland und 2021 von Hawaii, entsprochen worden – die physischen
Übergaben mussten jedoch Corona-bedingt im Einvernehmen mit den Herkunftsländern
verschoben werden und fanden bis dato noch nicht statt.


Zwar gilt Österreich historisch gesehen nicht als Kolonialmacht, doch zeigen aktuelle
Forschungen vielfältige Verstrickungen der Habsburgermonarchie in koloniales Handeln.
Demzufolge kommt der Einsetzung des neuen Gremiums unter Einbindung nationaler und
internationaler Expertise zur Erarbeitung eines nachhaltigen und nachvollziehbaren
Bezugssystems große Bedeutung zu.


Das österreichische Kunst- und Kulturministerium legt Wert darauf, solide
Rahmenbedingungen für einen wissenschaftsbasierten, transparenten und sensiblen
Umgang mit den Sammlungsbeständen aus kolonialen Erwerbskontexten in den
Bundesmuseen zu schaffen und hofft, mit den zu erwartenden Empfehlungen auch einen
relevanten Beitrag zur international rezipierten Diskussion zu leisten.

https://www.bmkoes.gv.at/Kunst-und-Kultur/Neuigkeiten/Kolonialer-Kontext-in-Bundesmuseen.html

https://www.bmkoes.gv.at/en/Topics/arts-and-culture/culture/art-restitution-in-austria.html

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