Drei_Heavy_Burschis

Weingut Payr Carnuntum

Drei Heavy Burschis

Betrachtungsweisen im Weingut Payr

ALEXANDER PEEV – BEGI GUGGENHEIM -GEORG KUBLA

Eröffnung: Opening: 18. June 2021 | 14 -20 pm

Curator Lukas Willmann

Ausstellung: 19. June – 30. August 2021

in Kooperation mit Kunstraum am Schauplatz, WienWeingut Payr,

Dorfstraße 18 2465 Höflein

https://www.weingut-payr.at/weingut/robert-und-carnuntum

@robertpayr @kunstraumamschauplatz @begiguggenheim @alexandar_peev

@kubla.studio @wiener_artfoundation Anton Herzl

Poster design @studio______ia#begiguggenheim

Anfahrt:per Automobil ca 40min : Ostautobahn bis Bruck a.d. Leitha Ausfahrt Ost rechts abbiegen dann Beschilderung folgen

Per Zug ca 37 min: REX von Hbf Wien nach Bruck a.d.Leitha je 15 min nach/15 min vor voller Std

dann Shuttle (6 Pers.max) von Bhf nach Höflein

Kontakt: +43 699 15252515

Besichtigung nach Vereinbarung: Robert Payr +43 664 2307535

Lukas Willmann +43681 81939710

Teaser Drei Heavy Burschis

„Drei Heavy Burschis“ – Begi Guggenheim, George Kubla undAlexandar Peev, allesamt Bildhauer, stellen ihre Arbeiten auf dem Weingut Payr in Höflein (bei Bruck an der Leitha) aus. Der mit dem Ausstellungstitel vom Kurator Lukas Willmann herbeizitierte Superstar Martin Kippenberger schwebt ahnenhaft über diesem Projekt: Sein Motto „Utopien für Alle“ mag auch in den Plastiken und Skulpturen von Guggenheim, Kubla und Peev wiederzuentdecken sein.

In Anverwandlung an Martin Kippenbergers Shandyismus – Kunstwerke müssten nicht authentisch sein, sondern „taktisch richtig“*  – platziert der Ausstellungsmacher Lukas Willmann seine drei schwersten Geschütze, Begi Guggenheim, Alexandar Peev und George Kubla in höfleiner Weingut Payr vor den Toren Wiens.

Mit dem Anglizismus „heavy“ beschreiben die Jugendkulturen deutschsprachiger Länder wohl schon seit den 1970er Jahren (heavy-metall) all jene Phänomene, die aufgrund ihrer heftigen Wirkung einen starken Eindruck hinterlassen; und das tun die Künstler dieser Ausstellung mit ihrem plastischen- und skulpturalen Werken alle Male:  Gewichts- und Formatbewusstsein findet sich bei allen drei Künstlern als vordergründige Gemeinsamkeit und die Ausstellung „Drei Heavy Burschis“ im Weingut Payr fordert das Publikum dazu auf, sich auf diese Verkostung unterscheidend einzulassen und sich vor der Fetten nicht zu fürchten, wenn es darum geht Assoziationen zu erschmecken und die Unterscheidbarkeiten zu benennen, was die Kunst betrifft, versteht sich!

Auf dem assoziativen Feld stellt diese plastische und skulpturale Kunst, wie wir sie auf dieser Ausstellung vorfinden, nämlich Bezüge zu (Kunst-)Geschichte her und man ist dazu geneigt, die bildnerischen Arbeiten mit historischen in eine gedankliche Verbindung zu setzen. Begi Guggenheims Beiträge mögen die Betrachterinnen an die Utopien – geschwängerten Epochen vor etwa 100 Jahren erinnern, als eine strahlende Zukunft vor der Menschheit zu liegen schien und die Gegenwart von daher als etwas Vorläufiges betrachtet werden konnte, während das jeweilige künstlerische Schaffen damals als prothetisch, also vorläufig, betrachtet werden konnte. Mechanische Roboterträume mit ihrem klassisch anmutenden Design prägen unsere Erinnerungen die zukunftsfreudige Filmwelt der 1920er Jahre! In George Kublas Arbeit schwingt bei manchem Stück möglicherweise ein Hauch futurismo mit, eine Stilepoche die den Wechsel in ihre Zukunft radikaler und nähergerückter darstellt; hier findet sich bereits der Verweis auf die allgemeine Beschleunigung, welcher durch ein Ineinanderfließen von Bewegungsmomenten zu der typischen Formensprache geführt hatte.  Für Peev und beispielsweise sein Sujet vom Bärentierchen erscheint die Zukunft als Gegenwart, die in der selben Sekunde – hier etwa als wissenschaftsgeschichtliches Zitat – schon wieder Historie ist. Entsprechend gibt es auch bei allen drei Künstlern, Guggenheim, Kubla und Peev einen Moment des Skurrilen, welcher von Arbeit zu Arbeit und Künstler zu Künstler unterschiedlich stark ausgeprägt sein mag, aber philosophisch gesehen leben wir nun einmal in einer Zeit, in der die technischen Erwartungen an Zukunft bisweilen sogar übertroffen worden zu sein scheinen, wo also ein ernsthafter Versuch, mittels Design eine positive Zukunft zu beschreiben, kein staubtrockenes Unterfangen mehr sein kann.

Im zeitgenössischen Geschehen kann Utopie am besten/bestenfalls als vergangene Utopie beschrieben werden, denn alle sitzen wir auf der Oberfläche einer Augenblicklichkeit, die Zukunft und Vergangenheit in das ewige Jetzt der Gegenwart hinein zu saugen scheint.

Doch die Werke von Bildhauern haben aufgrund ihrer Dinghaftigkeit, in einer von Digitalität geprägten Welt immer auch etwas archaisch Retrospektrales [sic], verweisen eben auf die Körperlichkeit unserer Existenz und sind im Gegensatz zum Flux der elektronischen Dateien

„heavy“, da gegenständlich.  In dieser Hinsicht leben wir in einer Zeit, wo die Veränderung von Skulptur dort stattfindet, wo sich der Kontrast hinsichtlich der (digitalisierten) Lebensrealität der

Betrachterinnen verändert. Plastiken sind eben keine Bilder, sondern (in der Regel) dreidimensionale materielle Objekte und selbst in einem Kunstkatalog können diese immer nur von einer Seite abgebildet werden, während ihre Gegenwart das Publikum dazu herausfordert sich selbst (und das payr´sche Weinglas) zu dem Kunstwerk zu verhalten, es gehend zu umkreisen, mit den Augen zu begreifen, sich persönlich um einen Wechsel in der Perspektive zu bemühen.  Diese Interaktion mit einem skulpturalen Kunstwerk ist zwar auf der Welt nicht neu, aber mag der Alltagserfahrung der Interessentinnen um ein gestiegenes Maß widerlaufen, wenn man bedenkt, dass wir nunmehr in einer Welt leben, wo ein Gros der sinnlichen Erfahrungen über einem mehr oder weniger kleinen Bildschirm zustande kommt.  Von diesem Gedanken ausgehend ist

anzunehmen, dass die Routinen für die Begehung eines Skulpturen- Parcours in unserer Gegenwart beim Publikum eine jeweils neuartige Herausforderung darstellen mögen, jedenfalls sich bereits eine Umkehrung hinsichtlich dessen vollzogen haben mag, was das Selbstverständliche und was das ungeahnt-in-der-Zukunft-Liegende sein könnte.

Es ist ebenfalls rund hundert Jahre her, dass ein gewisser Georges Hébert seine sogenannte Méthode Naturelle begründete, ein Programm, das mit Hilfe eines – heute würde man sagen – Trimm-dich-Pfades die körperlichen und geistigen Fähigkeiten seiner Mitmenschen anzuregen gedachte. Das Lustwandeln auf dem Hof und auch im Gelände, von einem Ausstellungspunkt zum Anderen mag dabei in der Inszenierung durch den Kurator Lukas Willmann auf ähnliche Weise jene Talente des Publikums wieder zum Vorschein befördern, welche in der Zeit des Lockdowns möglicherweise schon durch die Bildschirme geschlüpft waren: Den einen Körper als ein Korrelat von Kunstgegenständlichkeit in Stimmung und Position zu heben, sich selbst an die Orte der Eigentlichkeit zu begeben und damit ad personam Teil des Geschehens zu werden. Dabei fallen die zu Guckkästen umfunktionierten Stahlbehälter in der Weinkelterei besonders auf: Deren dezidierte Wirkung beim Betrachten der darin positionierten Ausstellungsstücke, mag in der unerwarteten Anverwandlung von winzerischer und künstlerischerProduktivität begründet sein.   Skulptur ist gerade in einem solchen Umfeld in außergewöhnlichem Ausmaß eine Kunstgattung, die diese Aktivitäten des Publikums einzufordern im Stande ist. Vom Kurator Willmannmotiviert, vom Gastgeber Robert Payr gelabt und auf künstlerische Arbeit von Alexandar Peev, George Kubla und Begi Guggenheim neugierig gemacht, wird das verehrte Publikum in post-utopischer Absicht zu den Strapazen von Anreise, Aufenthalt und Besichtigung eingeladen, den jeweiligen Wettern zu trotzen, die Bewegung nicht zu scheuen, die Gedanke selbst zu entfalten und das Gebotene durch stetigen Perspektivenwechsel zu verinnerlichen, um an der Erbaulichkeit der Weinqualitäten und dem Kunstgenuss ästhetischer Erfahrung sich zurück in die Zukunft zu begeben, oder war es umgekehrt?

 *[Zitat Burkhard Riemschneider]     Anton Herzl, 2021

Anton Herzl

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