SHUNGA

makdesignlabor

MAK DESIGN LABOR
SHUNGA  EROTISCHE KUNST AUS JAPAN
Press Preview:
Dienstag, 11. Oktober 2016 | 10:30 Uhr
Eröffnung:Opening:
Dienstag, 11. Oktober 2016 | 18:30 Uhr
Zur Ausstellung Christoph Thun-Hohenstein,
Direktor MAK
Johannes Wieninger, Kurator und Kustode
MAK-Sammlung Asien
Gastkurator: Diethard Leopold
20 Uhr Gespräch mit den
Kuratoren der Ausstellung
Diethard Leopold, Johannes Wieninger Sepp Linhart
Wissenschaftliche Beratung: Sepp Linhart
Ausstellung: 12. Oktober 2016 – 29. Januar 2017
MAK, Stubenring 5, 1010 Wien

 

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Kitagawa Utamaro (1753–1806), Ein junger Besucher, 1799. Aus dem Album Negai no itoguchi [Erwachen der Begierde]. Farbholzschnitt
© Leopold Privatsammlung, Wien; Foto: MAK/Georg Mayer

 

Mit ihrem scheinbar unbekümmerten Umgang mit Nacktheit
und Sexualität vermitteln ostasiatische Shunga (Frühlingsbilder) eine freiere
Sexualmoral, als sie uns in Europa anerzogen wurde.
Die MAK-Ausstellung SHUNGA. Erotische Kunst aus Japan zeigt die
künstlerische Qualität der explizit erotischen Farbholzschnitte auf, die
trotz langen Verbots durch die japanische Regierung zum Massenphänomen
avancierten. Einzelblätter, Alben und Bücher von namhaften Meistern wie
Suzuki Harunobu, Katsushika Hokusai oder Kitagawa Utamaro, großteils
Leihgaben aus der Leopold Privatsammlung,
geben im MAK einen repräsentativen Einblick in diese oft tabuisierte Facette
der japanischen Kunstgeschichte. Zeitgenössische Aktfotografien von
Nobuyoshi Araki spannen den Bogen bis in die Gegenwart.

 

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Anonym, Bildrolle mit erotischen Szenen, 2. Hälfte 17. Jh.. Farbe und Tusche auf Papier
© MAK/Georg Mayer

Die MAK-Sammlung japanischer Farbholzschnitte zählt mit rund
4 200 Blättern zu den bedeutenden Ukiyo-e-Sammlungen in Europa.
Ukiyo-e (Bilder der fließenden Welt), denen die Shunga zuzuordnen
sind, illustrieren urbane Vergnügungen sowie bürgerliche Alltagsphänomene
rund um die Theater- und Vergnügungsviertel von Edo, dem heutigen
Tokio. Die explizite Darstellung von Sexualität in den Shunga versperrte
den erotischen Drucken lange Zeit den Eingang in europäische Sammlungen.
Auch die MAK-Sammlung beherbergt nur eine Bildrolle eines anonymen
Meisters aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhundert – das älteste in der
MAK-Ausstellung gezeigte Objekt.

 

Der formale Umgang mit nackten Körpern und die zum Teil vielschichtigen
Anordnungen von Kimonofaltungen heben Shunga deutlich von naturalistischen Darstellungen des Liebesspiels ab. Charakteristisch sind die anatomische Detailgenauigkeit, manchmal extreme Körperstellungen und übergroß
dargestellte Genitalien. Oft zeigen Shunga auch humorvolle Szenen, wie
beispielsweise ein kleines Mädchen, das durchs Schlüsselloch ein Liebespaar
beobachtet und ruft: „Ich sag’s der Mama“.

 

 

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Hashiguchi Goyō (1880–1921), Yokugo no onna [Frau nach dem Bad], 1918–1920. Aus einer Mappe mit 13 Farbholzschnitten zum Thema „Badende“
© Leopold Privatsammlung, Wien; Foto: MAK/Georg Mayer

Ein Labyrinth aus Panelen leitet die BesucherInnen durch die
chronologisch gegliederte Ausstellung im MAK DESIGN LABOR. Den Auftakt
zum Parcours bilden frühe Shunga-Serien aus dem 17. Jahrhundert, die dem
Zyklus der zwölf Monate folgen und – mit einem Titelblatt – dreizehn
zusammengehörige Drucke ergeben. Suzuki Harunobu (ca. 1725–1770), einer der wichtigsten Entwerfer von Shunga, entwickelte die anfangs in schwarz-weiß
umgesetzten Holzschnitte zu Vielfarbendrucken weiter und sprach zum
Beispiel mit seinen Parabeln zwischen chinesischer Dichtkunst und japanischer
Erotik unter anderem die reiche und gebildete BürgerInnenschicht Edos an.

 

Fast alle bekannten Ukiyo-e-Künstler entwarfen auch erotische Farbholzschnitte, wodurch sich die künstlerische Qualität von Shunga erklärt. Kitagawa Utamaro (1753–1806) wandelte die ursprünglich verträumten erotischen SzenenHarunobus zu eindeutigeren Darstellungen. Er verleiht dem Genre mehr Selbstverständlichkeit und zeigt auch halberotische häusliche Szenen wie die Schönheit (Bijin) bei der Körperpflege. Die heute am Kunstmarkt kaum noch erhältlichen Alben Utamaros zählen zu den begehrtesten Werken der japanischen Kunst. Seine Serie Negai no itoguchi [Erwachen der Begierde] (1799) ist im MAK vollständig zu sehen.

 

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Utagawa Kunimaro (ca. 1830–1870), Beim Teetrinken, um 1860/70. Illustration aus einem dreibändigen Buch. Farbholzschnitt
© Leopold Privatsammlung, Wien; Foto: MAK/Georg Mayer

Erotische Phantasien und die Welt der Mythologie und der Geister verknüpft
der – nicht nur durch seine Serie 36 Ansichten des Berges Fuji weltberühmte –
Katsushika Hokusai (1760–1849). Während der Meiji-Ära (1868–1912) variiert
die Qualität der Shunga. Im Zentrum steht nicht länger die Schönheit (Bijin),
vielmehr geht es um erotische Motive wie die junge Studentin oder die
selbstbewusste Frau. Durch die neuen technischen Möglichkeiten der Fotografie
verlor der Farbholzschnitt als Massenmedium ab dem letzten Viertel des
19. Jahrhunderts an Bedeutung. Der Künstler Hashiguchi Goyō (1880–1921)
ließ die Tradition der Ukiyo-e als einer der ersten in „neuen Drucken“
(Shin hanga) wieder aufleben und schuf ein modernes, selbstbewusstes
Frauenbild, das an die Blätter Utamaros erinnert. Die MAK-Ausstellung
schließt mit ausgewählten Fotografien des japanischen Künstlers
Nobuyoshi Araki (geb. 1940), der in mehreren Aktfotografie-Serien auf
Shunga aus der Edo-Periode Bezug nimmt.
Der Großteil der in SHUNGA. Erotische Kunst aus Japan gezeigten Werke
stammt aus der herausragenden Ukiyo-e Sammlung Rudolf Leopolds (1925–2010),
die sich heute im Eigentum seines Sohnes Diethard Leopold befindet, der
die Sammlung stetig erweitert. Die tabulose Darstellung des Geschlechts
in den Farbholzschnitten beeindruckte in Europa und wurde erst durch
Egon Schiele in ähnlich direkter Form methodisch in ganzen Serien
von Blättern umgesetzt.
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Kitagawa Utamaro (1753–1806), Sommerabend, 1799. Aus dem Album Negai no itoguchi [Erwachen der Begierde]. Farbholzschnitt
© Leopold Privatsammlung, Wien; Foto: MAK/Georg Mayer

 

Die Holzschnitte sind ein konstitutiver Bestandteil der Sammlung
Rudolf Leopolds, der um den Schiele-Kern eine SHUNGA. Erotische Kunst
aus Japan Gesamtschau von Wien um 1900 zusammentrug. Ein Teil der
umfassenden ShungaSammlung war in der von Diethard Leopold kuratierten
Japan-Ausstellung Fragilität des Daseins im Leopold Museum im
Jahr 2012/2013 zu sehen.
Während Shunga zur Zeit ihrer Entstehung wahrscheinlich als
Pornografie galten, steht heute die kunstgeschichtliche Bedeutung im Fokus.
Im Ausstellungsbetrieb kamen erotische Farbholzschnitte bisher kaum vor,
da die Grenzen zwischen erotischer Kunst und Pornografie oft verschwimmen.
Das British Museum war mit seiner großangelegten Ausstellung Shunga: sex
and pleasure in Japanese art im Jahr 2013 ein Vorreiter der Präsentation in Europa.
In Japan selbst folgte 2015 die erste große Shunga-Ausstellung im Museum
Eisei Bunko in Tokio

 

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Utagawa Kunisada (1786–1865, zugeschrieben), Belauschtes Liebespaar, um 1830/40. Farbholzschnitt
© Leopold Privatsammlung, Wien; Foto: MAK/Georg Mayer
„Shun-ga“, Frühlingsbilder, sind in Ostasien seit Langem verbreitet. Sie zeugen
von einer anderen Einstellung zu Sexualität und Erotik, als sie uns in
Europa anerzogen wurde und sind den „ukiyo-e“, Bildern der fließenden
Welt, zugeordnet.
Fast alle großen Ukiyo-e-Künstler haben erotische Bilder geschaffen.
Diese waren zwar von der Regierung verboten, wurden jedoch unter der
Hand unsigniert verkauft und machten Schätzungen zufolge bis zu 50 Prozent
der Ukiyo-e-Produktion aus. Erst seit kurzer Zeit beschäftigen sich Kunst- und Sozialgeschichte mit einem gesamtheitlichen Bild der Themen des japanischen Massenmediums Ukiyo-e. Westliche BesucherInnen im Japan des späten 19.
Jahrhunderts waren über den scheinbar unbekümmerten Umgang mit Nacktheit
und Sexualität überrascht. Tatsächlich vermitteln auch die Farbholzschnitte
immer noch diesen Eindruck.
In Europa ist Sexualität seit der Antike heroisch und religiös verbrämt,
sehr oft auf den nackten weiblichen Körper konzentriert:
„Der Maler und sein Modell“ ist das typische Bild europäischer erotischer
Kunst. Im Gegensatz dazu stehen von Indien bis Japan stets die Vereinigung
von zwei Menschen und der spielerische Umgang mit der Geschlechtlichkeit im Mittelpunkt. Religion, Philosophie oder Medizin dienen dabei oftmals als
Metapher. Wichtig scheinen stets das Einvernehmen der Beteiligten und das
Fehlen von Gewalt, die nur selten thematisiert wird. Hinzu kommt häufig
eine Prise Humor, die durch unterhaltsame Dialoge unterstützt wird.
Die Grenzen zwischen erotischer Kunst und Pornografie können oft nur
undeutlich gezogen werden. So fanden Drucke erotischer Inhalte lange keine
Aufnahme in die Sammlungen westlicher Museen. Shunga kamen im
Ausstellungsbetrieb bis vor Kurzem kaum vor.
Die in der MAK-Ausstellung gezeigten erotischen Farbholzschnitte sind
Leihgaben der Leopold Privatsammlung, ergänzt durch Drucke aus der
Sammlung des MAK und einer weiteren Wiener Privatsammlung.

 

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MAK DESIGN LABOR
SHUNGA.
Erotische Kunst aus Japan
Kuratorenführungen
mit Johannes Wieninger
Do, 13.10.2016 | 17  Uhr
Di, 8.11.2016 | 18  Uhr
Führungen
15.10. – 11.12.2016 Sa, 14 Uhr | So, 15 Uhr
18.12.2016 – 29.1.2017 Sa, 15 Uhr
Jeden Dienstag bis einschließlich
24.1.2017, 18:00 Uhr
Rundgang durch das MAK
Führung durch die Ausstellung

 

MAK SENIORiNNEN
SHUNGA-Abend
Kurzvorträge und Führungen
Di, 24.01.2017 | 18 – 21 Uhr
MI, 12.10.2016 – SO, 29.01.2017
Die Ausstellung enthält explizit erotische Darstellungen, die das moralische Empfinden von Personen unter 16 Jahren verletzen könnten.
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Zur Ausstellung erscheint ein gleichnamiger Katalog,
herausgegeben vom MAK, mit Texten von Susanne Klien,
Diethard Leopold und Sepp Linhart, 150 Seiten,
80 Abbildungen.
Erhältlich im MAK Design Shop um € 18. Erste Einblicke >>>

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